Bei mir steht mal wieder ein Betriebssystemwechsel an. Über ein dreiviertel Jahr nutze nun ich ein Gentoo Linux als Hauptsystem auf meinem Notebook (dem alten und dem neuen).
Nachdem ich nun längere Zeit damit gekämpft habe, dass E6500 einigermaßen perfekt zum Laufen zu bekommen, ist jetzt ein wenig die Resignation da.
Es sind soviele Kleinigkeiten aber auch ein paar große Probleme die mich nerven. Wenigstens funktioniert mittlerweile die Grafikausgabe fast perfekt.
Bei der Geschwindigkeit gibt es aber eigentlich nichts zu Meckern. Nur die Bootzeiten könnten besser sein und der Acrobat Reader startet beim ersten Mal sehr langsam. Ob das nun an der x86-Emulation oder am Reader selber liegt weiß ich nicht.
Beim Sound fängt es damit an, dass die Kopfhörer nicht korrekt funktionieren. Wenn ein Kopfhörer beim Laden des Moduls angeschlossen ist, dann funktioniert die Ausgabe darauf, aber nicht mehr auf den Hauptlautsprechern.
Power Save vom Soundtreiber funktioniert zwar, aber bei jedem Abschalten gibt es einen Knacksen. Seitdem 2.6.28 raus gekommen ist, wird der
Bug scheinbar nicht mehr behandelt. Nervig ist auch, dass die Lautstärkesteuerung über die Tasten nur in 10% Sprüngen funktioniert, die Soundkarte aber nur im Bereich 70-100% eine sinnvolle Lautstärke hat.
Seit kurzem gibt es ein Flash-Plugin für Mozilla unter x64. Damit verschwinden wenigstens die ganzen Probleme mit dem nspluginwrapper aber es gibt neue. Beispielsweise, dass der Firefox über Stunden 100% eines Cores auslastet.
Ein strace gegen firefox brachte lustige Ergebnisse. Mal hing sich das gesamte X auf und nur das Killen von strace auf einer Textkonsole (wenn dann das Umschalten geklappt hat) brachte wieder alles in Ordnung. Ein anderes Mal wurde strace durch einen Segfault einfach beendet. Nach einem Suspend oder langer Laufzeit muss ich meinen Firefox erstmal wieder neustarten damit Flash-Videos ruckelfrei bzw. überhaupt funktionieren.
Dank neuen Grafikkartentreibern, Xorg etc laufen wenigstens Videos und Flash ruckelfrei. Bei 3D-Spielen gibt es aber noch regelmäßig Probleme (ok, derzeit kein Problem da ich auf dem Notebook nicht zocke). Und da denkt man mit Intel hat man guten Treibersupport. Aber das liegt auch einfach daran, dass die alte Memory-Methode aus dem Treiber geworfen wurde bevor die Neue fertig ist. Das führt dann zu Ausgabe wie "Failed to initialize TTM buffer manager. Falling back to classic.". Außerdem hat EXA Probleme gemacht (siehe
Bugreport). Von Hardwarebeschleunigung mittels xvmc will ich gar nicht erst anfangen.
Auch bei der DPI-Erkennung musste man dem X erstmal auf die Sprünge helfen.
Ab und zu passiert es, dass beim Umschalten von X auf andere Konsolen sich die Grafikausgabe nicht mehr fängt und mir ein bewegtes Bild auf das Display zaubert. Dasselbe passiert ab und zu auch beim Runterfahren.
Wenigstens klappt mit xrandr das Umschalten auf den externen Ausgang endlich problemlos (im Gegensatz zu früher mit anderen Grafikchips).
Wenigstens die Netzwerktreiber machen keine Probleme (mehr). Das Problem, dass die WLAN-Karte für ein paar Millisekunden den gesamten Kernel blockiert wurde behoben (
iwlwifi causes latency), taucht aber ab und zu nochmal auf. Das Ärgerliche daran ist, dass dadurch andere Treiber in Mitleidenschaft gezogen werden. Das Touchpad verliert den Sync und wird neu initialisiert. Leider erkennt der X das Device danach nur noch als PS/2 Mouse - d.h. kein Scrollen am Rand, kein Tappen etc.
Da ich meine Projekte mit SVN koordiniere, ist mir ein solcher Support sehr wichtig. Natürlich will man nicht immer über die Kommandozeile arbeiten, so dass die grafische Einbindung mir recht wichtig ist. Mein Favorit für die beste Einbindung ist unter Windows
TortoiseSVN.
In Konqueror bindet sich gut kdesvn ein. Das Plugin kann eigentlich alles was ich will, integriert sich aber in ein Untermenü. D.h. jedesmal ein recht hoher Aufwand die gewünschte Aktion zu bekommen. Wie man das Menü ändern kann, ist mir unklar...
Die Usability ist aber grundsätzlich nicht so toll - außer man greift auf die Konsole zurück. Schnell mal eine Zip-Datei erstellen oder auspacken klappt nicht. Erst Ark öffnen und dann dort auf Entpacken klicken... Das erinnert mich an Zeiten wo man unter Windows noch Winzip o.a. installieren musste...
Die mir bekannten Cron-Daemons sind meiner Meinung nach nicht mehr auf einem sinnvollen Technikstand. Gerade für Notebooks wo Faktoren wie Akkulaufzeit etc. hinzukommen, würde ich mir wünschen diverse Aufgaben eventgetriggert starten und stoppen zu können. Also beispielsweise Prelink ausführen wenn ich gerade am Stromnetz hänge und keine Last vorhanden ist. Aber dann auch wieder stoppt oder wenigstens anhält wenn das Notebook auf Akkubetrieb geht. "Moderne" Techniken wie ionice fehlen hier auch irgendwie - muss man das unbedingt immer selber ins Skript schreiben!?
Fcron kommt den Anforderungen noch am nächsten.
Weil mich der Standard Networkmanager von KDE genervt hat (Netzwerkverbindungen über WLAN waren nur nach dem Login in KDE verfügbar), habe ich mich nach Alternativen umgesehen und
Wicd gefunden. Simpel, einfach zu bedienen und dank der WPA-Supplicant Templates dennoch mächtig. Nach einigen Updates (Entwicklung ist z.Z. recht aktiv) waren auch ein paar nervige Bugs raus. Insbesondere das Verhalten nach einem Standby war nervig. Das Problem ist aber, dass der wicd-Daemon deutlich an der Akkulaufzeit knabbert. Selbst wenn ich per LAN online bin und das WLAN nicht nutze, führt das reine Starten des Daemons zu über 150 Wakeups per second (erkennbar mit
powertop).
Warum nach einem Standby weiterhin die Devices oben sind und alle Programme (vor allem ICQ und Jabber) noch denken sie wären online ist mir auch unklar. Zumal wenigstens PSI die Option hat einen Standby zu erkennen...
Warum die Manager es nicht zulassen, dass man gleichzeitig per WLAN und LAN eingeloggt ist, kann ich mir auch nur damit erklären, dass das der Use-Case für einen Standardanwender ist.
Weiterhin können beide kein 802.1x auf LAN-Basis.
Am Cups-Drucksystem stört mich leider auch so einiges. Zwar klappt das eigentliche Drucken wunderbar (ok, ich habe nur Netzwerkdrucker mit PCL/PS), aber die Integration externer CUPS-Server ist echt lachhaft. Wenn man sich am CUPS-Server authentifizieren muss, ist die einzige Möglichkeit Benutzer+Passwort im Klartext in die printers.conf einzutragen (siehe
Anleitung bei uns im Fachschaftswiki). Wenn dann ein Drucker mal nicht erreichbar ist, dann wird der Drucker im lokalen CUPS gestoppt. Wenn man im Webinterface auf Start Printer klicken will, wird der Befehl aber an den entfernten CUPS gesendet. Das ganze natürlich wohlgemerkt per http ohne Verschlüsslung mit Benutzer+Passwort. Weiterhin kommen bei manchen Links von Firefox Meldungen wie
You are about to log in to the site "printer.fbihome.de" with the username "myusername", but the website does not require authentication. This may be an attempt to trick you. Is "myusername" the site you want to visit?
Das die Druckeinstellungen in jedem Programm anders sind und sich Änderungen nicht immer merken, nervt besonders. Warum mein CUPS auf einem Drucker ab und zu meine DIN-A4 Seiten auf DIN-A3 ausdruckt, konnte ich auch nicht herausfinden.
Toll ist auch das i8k Modul. Jedem KDE-Benutzer kann ich nur abraten es in den Kernel einzubauen wenn er ein aktuelles Notebook hat. Das Auslesen von Service-Tag etc geht mittlerweile mit anderen Tools leichter (sys-libs/libsmbios) und kmilo versucht andauernd das i8k Modul zu pollen (und protokolliert das jedes Mal in .xsession-errors, die dann schnell anwächst).
Am schlimmsten empfand ich jedoch den Versuch auf KDE 4.1 umzusteigen. Nachdem man erstmal die nicht korrekt eingetragenen Dependencies nachgetragen hat (
Kopete braucht glib in qt-core) konnte ich die Bibliotheken und Programm ohne Probleme bauen. Um die Migration einfacher zu machen, habe ich ~/.kde* erstmal umbenannt, so dass KDE mit einem frischen Profil starten sollte. Nachdem Login allerdings bekam ich eine recht buggy KDE-Installation zu Gesicht. Das Systray hatte fehlerhafte Symbole (zu groß und ein Symbol für drei Programme), Konqueror war überhaupt nicht zu überreden zu starten und die Schriftgröße war viel zu groß (siehe oben für DPI-Problem). Nach einem Tag mit dem neuen KDE bin ich wieder auf meine alte Installation zurück. Dort durfte ich dann feststellen, dass die Installation der anderen KDE-Instanz ein kleines Chaos hinterlassen hat. Viele Programme sind jetzt doppelt in meinem Startmenü, die Links wie Home oder System auf dem Desktop funktionieren nicht mehr weil sie mit Dolphin geöffnet werden sollen, obwohl ich überhaupt kein Dolphin installiert habe. Weiterhin fehlten bei PSI auf einmal die Texte (auch in einer alten KDE-Session). Nur die Shortcuts (unterstrichene Buchstaben) wurden überhaupt angezeigt.
Bei der Aktion von Codeweavers habe ich mir CrossOver für die Office-Programme geholt. Aber damit kann man nicht ernsthaft mit Office 2007 arbeiten: die Geschwindigkeit ist wahrhaft grottenschlecht. Bei einer Präsentation ist mir dann PowerPoint zweimal abgestürzt.
Was ich jetzt so runtergeschrieben habe, waren erstmal nur die gröberen Sachen. Auf kosmetische Kleinigkeiten wie die fehlerhafte Anzeige des Backslashes in SSH bei der motd oder die immer noch vorhandenen Sonderzeichen-Probleme in SSH lass ich einfach mal unter den Tisch fallen.
Na ja, wenigstens ist Abwechslung (ich schreibe jetzt extra nicht Rettung) in Sicht: in einer Woche bekomme ich Windows 7 als erste Beta. Und damit beginnt mein anti-zyklischer Wechsel von Linux zu Windows und zurück. Sobald ein Betriebssystem stabil wird und die Kleinigkeiten anfangen zu nerven, wechsle ich. Je nach Stimmung komplett oder in der Form eines Dual-Boots. Wahrscheinlich würde ich auch mal ein OS X ausprobieren wenn man nicht dafür in die elitäre Gruppe der Besitzer passenden Hardware wechseln müsste. Ein Gedanke zum Ende: wenn man sich schon spezielle Hardware kaufen muss, kann man dann noch zugeben, dass die Software schlecht ist?